Schülerstreitschlichtung bzw. Schulmeditation

Unsere Gesellschaft unterlag im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte einem Wandel, unter dessen negativen Auswirkungen wir heute leiden. Unbestritten trägt der allmähliche Verlust an Werten in der breiten Masse der Bevölkerung ihren Teil dazu bei; das Denken und Han­deln vieler Menschen richtet sich immer mehr nach den eigenen Bedürfnissen und orientiert sich immer weniger am Wohl aller.

Auch die ehemals festen Familienstrukturen veränderten sich. Viele Familien zerbrachen, die Scheidungsrate ist enorm hoch, immer häufiger wachsen die Kinder in zerrütteten Familien­verhältnissen auf. Anspruchs- und Konsumdenken einerseits und andererseits Angst, den An­forderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein, überfordern viele Mütter und Väter derge­stalt, dass sie oft unfähig sind, ihren Erziehungsauftrag wahrzunehmen.

Waren die Schulen in der Vergangenheit Stätten der Wissensvermittlung, müssen sie jetzt mehr und mehr erzieherische Aufgaben im sozialen Miteinander übernehmen. Die Schüler tragen Gewaltsituationen und –probleme, die sie außerhalb der Schule erleben und die häufig unverarbeitet sind, in den Schulalltag. Die Folgen dieser Einflüsse sind zunehmende Verro­hungen im Bereich der Emotionen, der Sprache und das Unvermögen, Empathie zu empfin­den. Die Schule muss deshalb alle Defizite auffangen und einen Rahmen schaffen, in dem die Schüler lernen, Konflikte miteinander auf konstruktive Weise zu lösen.

Schülerstreitschlichtung, das zeigen die positiven Ergebnisse, erweist sich als ein probates Mittel, Schüler zu befähigen, Konfliktlösungen mit Hilfe von Mitschülern zu finden.

Was ist Schülerstreitschlichtung bzw. Mediation?

Mediation bedeutet „Vermittlung im Konflikt“. Mediationsgespräche verlaufen nach festen Regeln und Strukturen und bieten somit ein erlernbares Werkzeug zur Bearbeitung von Kon­flikten.  

Unsere Schule hat schon früh erkannt, dass die Installation einer Schülerstreitschlichtung den Schulfrieden stärken und Lehrer entlasten kann. Schon 1999 fing die Ausbildung von Schü­lern zu Schülerstreitschlichtern an. Im September 2000 stellten wir das Mediationskonzept der Gesamtkonferenz unter Beteiligung der bis dahin ausgebildeten Streitschlichter vor. Das Kollegium stand der Idee der Schülermediation aufgeschlossen gegenüber und sprach sich einstimmig dafür aus, die Schülerstreitschlichtung fest zu verankern und Schlichtungsgesprä­che innerhalb des Schulmorgens im angemessenen Zeitrahmen zuzulassen.

Wie erfolgt die Ausbildung zum Schülerstreitschlichter an unserer Schule?

Ab Klasse 7 können sich interessierte Schüler und Schülerinnen in einer wöchentlich stattfin­denden zweistündigen AG von dem Mediationsteam trainieren lassen. Zu Beginn der AG werden die Eltern in einem Brief über die Inhalte der Ausbildung informiert und über die Verpflichtung der regelmäßigen Teil­nahme.

Folgende Lerninhalte werden von uns vermittelt:

1. Psychologische Grundlagen

2. Schulung von Sozialkompetenzen

3. Basistechniken

4. Verhandlungstechniken

5. Rollenspiele

6. Die 5 Phasen einer Mediation

Nach der einjährigen Ausbildungszeit erhalten die SchülerInnen je nach ihren erworbenen Fähigkeiten inhaltlich differenzierte Zertifikate. Mit erfolgreicher Arbeit in der Praxis erwer­ben sie ein Abschlusszertifikat, das die erworbenen Schlüsselqualifikationen auflistet. Während der praktischen Arbeit findet in regelmäßigen Abständen eine Supervision statt, an der jedes Teammitglied teilnehmen muss.

Die Erfahrung lehrt uns, dass die Beherrschung der oben genannten Schlüsselqualifikationen eine positive Rolle in der Entwicklung und Stärkung  der Schülerpersönlichkeit und bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz spielen.

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